Anfassen, Loslassen, wo man überall seine Pfützchen machen darf und wie toll ein Körbchen ist...

Mein erster Java-Artikel befasst sich mit den Dingen, die ein Welpe sowieso braucht. Das ist unabhängig von seiner Zukunft auf dem Agilityplatz, aber einige Dinge spielen auch dafür eine wesentliche Rolle, also dachte ich mir: fangen wir vorne an.

Anfassen

Eine überaus wichtige Fähigkeit, die man auch schon ganz früh formen muss, ist es sich überall anfassen zu lassen. Wann immer der Welpe also halbwegs müde und kooperativ ist, nutzt der kluge Besitzer die Chance und übt das. Hierzu gehört das Bürsten am ganzen Körper. Natürlich besonders ausgiebig da, wo der Welpe das gern hat, aber eben gelegentlich auch mal da, wo er eigentlich nicht mag. Wenn er sich sträubt, wird einfach stoisch weiter gemacht. Der Hund soll erkennen, dass es keinen Einfluss hat, wenn er sich sträubt, sondern dass es im Gegenteil sogar angenehm ist, gebürstet zu werden. Je häufiger man übt, desto weniger Knötchen sind im Fell und desto eher trifft das auch zu :) In die Kategorie Anfassen gehört auch der Tellington Touch mit dem ich den Welpen von anfang an verwöhnt habe. Anfangs wollte ich sie so viel kuscheln wie möglich, denn eine positive Bindung fand ich das Allerwichtigste in der ersten Zeit.
Dann habe ich auch regelmässig Javas Ohren angefasst und die Augenwinkel ausgewischt. Besonders langhaarige Hunde sind hier gelegentlich etwas pflegebedürftiger und nichts ist ärgerlicher, als wenn man den Hund mit mehreren Leuten festhalten und knebeln muss, um ein wenig Ohrenreiniger einzufüllen, ohne sein Leben zu lassen. Also hilft auch hier frühzeitiges Kraulen, auswischen und mal einige Härchen auszupfen, den Hund zu gewöhnen.
Natürlich muss man auch mal die Zähne betrachten, anfassen und durchzählen. Das ist anfangs nicht spannend, aber wenn die Zahnung einsetzt ist es hilfreich mal checken zu können, ob alles ok ist.
Javas Pfoten habe ich sehr oft gekrault, die Haare zwischen den Ballen abgeschnipselt und die Krallen gekürzt. Das ist bei Welpen (mit so üppigem Fell) gut, weil die Pfotenform beeinflusst wird, wenn der Hund permanent dicke Klumen zwischen den Ballen hat oder sich die Zehen nach oben biegen, weil die Krallen zu lang sind. Und es hilft bei der Gesamterkenntnis im Hundehirn: Frauchen darf mich überall anfassen, weil das gar nicht schlimm ist, manchmal sogar Spass macht und gelegentlich mit einem Leckerli belohnt wird.
Last but not least gehört in die Anfasskategorie noch das Fieber messen und Ausdrücken der Analdrüsen. Auch das muss sich ein Hund gefallen lassen und man hat auch direkt einen Vergleichswert, um später mal beurteilen zu können, ob die Temperatur die man misst für den eigenen Hund normal ist.
Die meisten der Anfassübungen habe ich auch von Bekannten durchführen lassen und den Hund bestätigt, wenn er sich auch von Fremden brav anfassen und manipulieren liess. Ein erster Grundstein für die spätere Unbefangenheitsprüfung und Chipkontrolle.

Loslassen

In dieser frühen Phase übe ich das, was später einmal "Aus" wird, über das klassische Tauschgeschäft. Spielen mit einem Ball, tauschen gegen einen gleichwertigen Zweiten. Fressen einer Kaustange, tauschen gegen etwas leckeres. Kauen meiner Pantoffeln, tauschen gegen ein Stück Pansen. Ich habe für einen späteren Zeitpunkt in der Pubertät auch eine Planung für das wirkliche "Aus" - im Sinne von "Lass jetzt und sofort los, was du in der Schnauze hast". Da geht es auch nicht mehr drum, dass ich was besseres habe, sondern um eine reine Gehorsamsleistung. Aber im Moment ist der Welpe ja eh fast 24 Stunden unter Kontrolle oder im Kennel, so dass ein konsequentes Alternative anbieten noch durchführbar ist. Trotzdem verbinde ich den Moment, in dem sie etwas sowieso los lässt, weil sie das andere will schon mit dem Hörzeichen.

Stubenreinheit

Über die Erziehung zur Stubenreinheit muss ich eigentlich gar nichts schreiben. Hier unterscheidet sich der Sporthund in keinster Weise von allen anderen. Allerdings ist hier der Platz für eine nette Anekdote über die Intelligenz kleiner Pudelmädchen. Nachdem die ersten paar Tage nur sehr wenig Besserung in der Quote "Pfützen draussen" vs. "Pfützen drinnen" entstand, der Hund aber mittlerweile ein ziemlich begeisterter Clickerfreund geworden ist (darüber in einem späteren Artikel), dachte ich mir: vielleicht gehts ja damit viel einfacher. Ich habe ungefähr 4 oder 5 Pfützchen draussen mit einem Click bestätigt und mit Futter belohnt. Danach hatte ich ein neues Problem: der Hund wollte alle 10-15 Minuten vor die Tür und stellte sich auf die Lösestelle - jedes Mal mit bettelndem Blick, ob das nicht vielleicht schon genug richtiges Verhalten für einen Click ist. Ich habe das dann schnell gelassen mit dem Clicken für Stubenreinheit und bin zur klassischen Variante "ruhiges Bestätigen mit Stimme" übergegangen.

My Home is my Körbchen

Java hat über den Clicker gelernt in ein Körbchen zu klettern. Das ist eine sehr einfache Übung und man kann mit freiem Shapen super schnelle Erfolge erzielen. Nach 3 Übungseinheiten lief mein Welpe mit viel Schwung ins Körbchen. Einige Abende später mit ebenso viel Schwung gegen die geschlossene Tür einer Kennelbox, weil ich das Kommando gegeben hatte ohne zu prüfen ob die Kiste auf ist. Sie ist fast panisch dagegen gestürmt, hat gewinselt und gekratzt und einen ziemlichen Aufstand gemacht um einzubrechen. In der Kennelbox gabs auch hin und wieder die Mahlzeiten und wann immer das Kommando für das Körbchen ertönt, rast sie los. Eine einfache Übung, die später auf dem Agiplatz sicher nützlich wird, wenn man den Hund grad parken möchte.

 

Hier kann man das Körbchen mal sehen und auch den Welpen wie er grade eine Flasche Cola die er geklaut hat untersucht und versucht das Futter heraus zu bekommen (siehe: ein Welpe muss essen). Ein Nachteil meiner Methode: die Welpen können immer alles gebrauchen. Manchmal ist das so niedlich wie hier, manchmal hat er den wichtigen Brief der Krankenversicherung gefressen. Aber wer einen Welpen will, lebt damit.

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