Nachdem ich ja nun sehr lange Zeit damit verbracht habe, ganz genau zu erklären wie die einzelnen Agilitygeräte eigentlich funktionieren, hätte man denken können: jetzt endlich Parcours? Wenigstens Sequenzen? - aber: weit gefehlt ;)

Stattdessen haben ich 3 Monate dazu verwendet die einzelnen Geräte durcheinander zu trainieren. Bestätigung gabs direkt nach dem Gerät, aber inzwischen variabel und nicht immer. Innerhalb einer Übungsstunde waren erstmals allerlei verschiedene Geräte dran. Ich habe wiederholt, dass man aus allen Winkeln, mit viel Distanz und unter allen Umständen die Geräte arbeiten kann. Vor allem letzterer Punkt war mir super wichtig. Wir haben auf fremden Plätzen Reifen ausprobiert, milde Ablenkungen eingebaut und schließlich wurden die Ablenkungen grösser.

Letztlich hat das Richten beim PHV Kamen den Ausschlag gegeben aus dieser Ablenkungssache eine ganze Übungsstunde im Verein zu organisieren. Dort war ein Sandloch im Jumpingspiel für die Einser und Zweier und über die Hälfte aller Hunde war nicht sicher, ob man vom Erdloch verschluckt wird, wenn man einfach drüber weg läuft. Also haben Java und ich das erste Mal wirklich am Vereinstraining mitüben können. Sonst hatten wir ja eher einen Sonderstatus mit unserer Einzelgerätearbeit. Dieses Mal durften alle Hundeführer ausprobieren, wie schnell sich ihr Sportkollege von ungewohntem ablenken lässt. Und was soll ich sagen: im Video ist der Beweis nur zu deutlich erbracht: es hat Riesenspass gemacht. Wir haben eine Art Punktewertung benutzt und einen Wettbewerb draus gemacht. Ich hatte eine Tüte kleiner Preise für alle mitgebracht und nach einigen vorsichtigen Versuchen waren die Vereinskollegen bis zur dritten Gruppe in der ich mit Java mitgehopst bin so gut drauf, dass wir wie ein Faschingsumzug gewirkt haben müssen. Hier die Übungen die wir absolviert haben:

  1. fester Tunnel in U-Form, drüber drei Helfer die sich alle Mühe geben den Hund böse anzuschauen und so viel Krach wie möglich machen. Ergebnis: Java guggt ein wenig verblüfft, ist sichtlich langsamer als gewohnt, aber geht einwandfrei durchs Gerät.
  2. Sacktunnel, beschwert und knisternd gemacht mit einer Plastikfolie drauf und links und rechts dicht am Eingang jeweils ein toller Napf mit Fleischwurst. Ergebnis: Tunnel ist das Tollste, Java verhält sich wie immer.
  3. neben dem Slalom rollen sich 4 Helfer hingehockt Tennisbälle in alle Richtungen zu. Ergebnis: nachdem Java vorher 2 Mal zum Steg gerannt ist (Verleitungen waren im Einzelgerätetraining natürlich irgendwie nie da), hat sie kapiert dass es der Slalom sein soll und macht sehr brav wie sie soll. Wie man sieht sichere ich noch mit Bögen ab, aber inzwischen stehen die Stangen in einer Reihe. Um das Tempo aufrecht zu erhalten, gibts hin und wieder auch noch eine schmale Gasse.
  4. Steg: während der Hund auf dem Steg läuft rennt auf beiden Seiten eine Gruppe Verrückter wild gestikulierend auf Hund und Besitzer zu. Ergebnis: Die Verrückten sind überhaupt kein Problem, sehr wohl aber Kamerakind Silke, die irgendwie bewirkt hat, dass der kleine Fratz auf der Zone nicht steht, sondern verwirrt runter steigt. Nun ja, erster wirklicher Fehler aus meiner Sicht.
  5. A-Wand: vor der A-Wand liegt eine ausgekippte Hundespielzeugkiste mit Zergelspielies, Quietschies, Bällchen etc. Ein wahrer Hundehimmel. Über dem Giebel ist ausgebreitet eine Wolldecke. Ergebnis: phänomenal. Sie ist sogar auf ein Quietschi getreten, war aber ganz egal und auch die Zone hat mir sehr gut gefallen.
  6. Wippe: neben der Wippe hüpfen herumstehende Leute. An der Wippe selbst ist ein Gegengewicht aus Holz angebracht. Sie kippt so viel später und dafür extraheftig. Ausserdem landet sie nicht (wie Java das gewohnt ist) auf einem Schaumstoffkissen, sondern auf einem scheppernden Backblech. Ergebnis: Perfekt. Genau so solls sein.
  7. Weitsprung: links und rechts vom Weitsprung wedeln Helfer mit einer Plastikplane. Es knistert, irritiert auch optisch. Ergebnis: der einzige der irritiert ist und keinen schönen Sprung zeigt bin wohl ich. Der Pudel machts ohne mit der Wimper zu zucken.
  8. Hürde (leider ohne Videoaufnahme): zwischen den Hürden stehen Kanister und Gartenstühle. Auf einigen sitzen Helfer. Über die Stangen sind Jacken gehängt und einzelne Seitenteile stehen im Weg. Ergebnis: Java springt nur eine Hürde (mehr war ja noch nie), die aber wunderbar. Beim Hürdentraining ist aufgefallen, dass sie helle Stangen viel schöner sieht und springt. Schöner bedeutet: etwas ökonomischer und weniger wie ein Känguruh. Mal schauen wie wir das abgebaut bekommen.
  9. Tisch: Last but not least. Rund um den Tisch machen Helfer Ringelpietz und singen (im Video haben sie sich nicht mehr getraut, vorher wars sehr hübsch anzuhören). Zusätzlich bewerfen sie den Hund mit Konfettistreifen. Ergebnis: Hier wars Java doch etwas zu blöd. Sie bleibt zwar aufs erste Kommando noch auf dem Tisch, aber aufgrund der doch sehr happigen Attacke geht sie doch lieber zu mir um sich retten zu lassen. Schlecht dass man sie ablenken kann - Perfekt dass es so viel Eindruck braucht und dass sie dann nicht weg sondern zu mir kommt.

Insgesamt eine überaus erfreuliche Übungsstunde für uns zwei. Ich war sehr zufrieden und viele erfahrenere Hunde waren weniger souverän als mein kleiner Lockenwolf.

 

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